Drogen und süchte psychologie

Berlin, 1. Sucht ist kein Randproblem der Gesellschaft, sondern betrifft viele Menschen in Deutschland. In der Regel handelt es sich bei einer Sucht um die Abhängigkeit von einer Substanz. Das kann z. Alkohol, Nikotin bzw. Tabak, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Schmerzmittel, Kokain, Heroin oder Cannabis sein. Diese stoffgebundene Sucht oder auch Rauschmittelsucht geht - trotz schädlicher Folgen - mit einem wiederkehrenden Verlangen nach der Einnahme dieser Substanz einher.

Auch bestimmte Verhaltensweisen werden von manchen Fachleuten als Süchte bezeichnet. Man spricht deshalb auch von einer Verhaltens- oder Tätigkeitssucht. Beispiele dafür sind Spielsucht, Internetsucht oder Kaufsucht.

Bachelor Suchtberatung (berufsbegleitend) – DHGS

Bislang sind diese Formen hierzulande jedoch nicht offiziell als Süchte anerkannt. Das wird sich mit der neuen Fassung der weltweiten Klassifikation von Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation ICD in den nächsten Jahren teilweise ändern. Tritt diese in Kraft, gelten auch Glückspielsucht und Computerspielsucht als Verhaltenssucht.

Klar ist aber: Bei einer Sucht ist die Kontrolle über ein Verhalten eingeschränkt. Betroffene spüren einen starken Wunsch oder Zwang, beispielsweise eine Substanz zu konsumieren. Als Folge daraus kann ein schwerwiegender Schaden entstehen, der z. Was ist Sucht? Fast jeder hat etwas, von dem er gar nicht genug kriegen kann.

In der Regel ist das unbedenklich. Doch wenn wir die Kontrolle über unser Verhalten verlieren und nicht aufhören können, obwohl sich schon schädliche Folgen bemerkbar machen, kann eine Sucht vorliegen. Dabei gilt in Deutschland nicht alles, wonach man süchtig sein kann, aus medizinischer Sicht als Sucht — auch, wenn das Verhalten starke Ähnlichkeiten zu einer Sucht aufweist.

So spricht man zum Beispiel von Mediensucht oder Kaufsucht, obwohl es sich in beiden Fällen um andere Erkrankungsbilder handelt. Manche Fachleute unterscheiden dennoch zwei Arten von Sucht: Einerseits die sogenannte substanzgebundene Sucht, wie zum Beispiel die Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol, Nikotin, Medikamenten oder illegalen Drogen. Andererseits die sogenannte nicht-substanzgebundene Sucht beziehungsweise Verhaltenssucht wie Mediensucht oder Kaufsucht.

In Deutschland soll zukünftig auch krankhaftes Glücksspiel und krankhaftes Computerspielen als Sucht eingeordnet werden. Im Folgenden geht es um substanzgebundene Sucht. Man geht davon aus, dass das Auftreten einer Sucht durch ein Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Einflüssen begünstigt werden kann.

Inhalt lesen- psychologie-aktuell

Ein biologischer Einfluss kann zum Beispiel die erbliche Veranlagung sein. Auf psychischer Ebene können beispielsweise fehlende gute Strategien zur Stressbewältigung zur Entstehung einer Sucht beitragen. Ebenso können soziale Einflüsse, wie beispielsweise Freunde und Familie, eine Sucht begünstigen. Eine substanzgebundene Sucht liegt dann vor, wenn mindestens drei der nachfolgenden Merkmale innerhalb eines Jahres einen Monat gleichzeitig aufgetreten sind:.

Sucht ist behandelbar - es gibt verschiedene Möglichkeiten, die sich nach der Art der Sucht und der persönlichen Situation der Betroffenen richten.

SUCHTPSYCHOLOGIE

Doch der erste Schritt, von einer Sucht loszukommen, ist die Erkenntnis, dass man süchtig ist. Weitere Informationen über Sucht und welche Anlaufstellen Unterstützung bieten, finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen. Wissen ist gesund. Wie eine Sucht entsteht, welche Risikofaktoren eine Rolle spielen und wie eine Sucht erkannt und behandelt wird, erklären wir im Folgenden anhand der stoffgebundenen Süchte.

Schätzungen zufolge waren etwa 13,5 Prozent der bis Jährigen in Deutschland von mindestens einer der folgenden Substanzen abhängig: Alkohol, Tabak, Cannabis, Amphetamin, Kokain, Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel. Tabak und Alkohol beispielsweise gehören für viele Menschen zum Alltag. Der Grat zwischen angemessenem und problematischem Umgang kann dabei schmal sein.

Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie eine Sucht entsteht. Einen Erklärungsansatz liefert das sogenannte biopsychosoziale Modell. Demnach hat die Entwicklung einer Störung ihren Ursprung sowohl auf der körperlichen Ebene als auch auf der psychischen und der sozialen Ebene. Auf körperlicher Ebene sind das z. Reaktionen im Gehirn, die während des Substanzkonsums auftreten.

Auf psychischer Ebene können beispielsweise bestimmte Denkmuster — etwa durch ein mangelndes Selbstwertgefühl — zum Substanzkonsum führen. Auf sozialer Ebene spielt unter anderem die Peergroup eine Rolle. Alle drei Ebenen beeinflussen sich wechselseitig und sind ausschlaggebend für die Ursachenfindung.

So werden durch den Substanzkonsum Botenstoffe im Gehirn verändert ausgeschüttet. Das beeinflusst die Informationsübertragung und stört wiederum das körpereigene Belohnungssystem. Auch verschiedene Lernvorgänge wirken an der Entstehung einer Sucht mit. Der Substanzkonsum wird demnach zunächst mit einer belohnenden Wirkung verknüpft. Die Veränderungen im Gehirn führen aber letztlich dazu, dass der wiederholte Konsum einer Substanz sogar negative Gefühle hervorruft.

Die abhängige Person nimmt die Substanz dann nicht mehr ein, um Lust oder Freude zu spüren, sondern um eine Linderung ihrer Missstimmung zu erlangen. Zudem können bestimmte Situationen mit dem Substanzkonsum in Verbindung gebracht werden, etwa der Geruch der Substanz oder Personen, mit denen man konsumiert. Das führt zu einer Konditionierung.

Auch vorhandene Risikofaktoren spielen bei der Entstehung einer Sucht eine Rolle. Die Anfälligkeit für eine Sucht unterschiedet sich von Mensch zu Mensch aufgrund unterschiedlicher erblicher, umweltbedingter und entwicklungsbedingter Faktoren. Letztlich handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die das Risiko erhöhen oder vor einer Sucht schützen können.

Die individuellen Faktoren der Person, das Umfeld, in dem diese Person lebt und handelt, sowie die Eigenschaften der Substanz selbst können im Zusammenspiel das Risiko einer Suchtentwicklung erhöhen. Zu den Risikofaktoren zählen beispielsweise:. Der Einzelne wird auch geprägt durch sein soziales Umfeld, dazu zählen z. Familie, Freunde, Schule und Berufsleben. Risikofaktoren können dann sein:.

Neben den genannten Risikofaktoren gibt es auch Schutzfaktoren, die das Risiko verringern, eine Sucht zu entwickeln. Das sind z. Sowohl körperliche als auch psychische Symptome können eine Sucht begleiten. Zu den körperlichen Symptomen gehören Unruhe, Zittern und Schwitzen. Die psychischen Symptome umfassen beispielsweise einen starken Wunsch oder Zwang , in bestimmten Situationen eine Substanz zu konsumieren.

Eine Sucht bleibt häufig lange unentdeckt, etwa weil sie sich schleichend entwickelt oder aus Scham geheim gehalten wird. Ärztinnen und Ärzte können eine Sucht u. Letztere spielen nur eine untergeordnete Rolle, da sie zwar Substanzen im Körper nachweisen können, jedoch keine Abhängigkeiten diagnostizieren. Um eine stoffgebundene Sucht feststellen zu können, müssen nach Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO mindestens drei der folgenden Kriterien im vergangenen Jahr aufgetreten sein:.

Die Therapie einer Sucht ist abhängig von der Art der Sucht und der Ausprägung bei jedem oder jeder Einzelnen. Das vorrangige Ziel der Behandlung ist die Abstinenz, also der komplette Verzicht auf das Suchtmittel. Fällt das dem oder der Betroffenen zu schwer, wird zumindest versucht, den Konsum im Sinne einer Schadensminimierung zu verringern bzw.

Für einige Substanzen kann unter Umständen eine sogenannte Substitutionstherapie angewandt werden. Methadon als Ersatz für Heroin verabreicht. Somit erfolgt keine direkte Entwöhnung vom Stoff, sondern die Substanz wird vorerst durch eine andere ersetzt.

Kostenlose & anonyme Expert*innen-Beratung

Das soll es den Betroffenen erleichtern, eine Therapie zu beginnen, ohne ihr Lebensumfeld verlassen zu müssen. Letztlich geht es bei der Behandlung einer Sucht darum, die Gesundheit und Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Mögliche Therapien, die in der Regel kombiniert angewendet werden, sind:. Auch bei einer Alkoholabhängigkeit werden verschiedene Therapieansätze kombiniert.

Wann eine Person als alkoholabhängig gilt und welche Behandlungsmöglichkeiten es dann gibt, lesen Sie in unserer Gesundheitsinformation. Bei fast allen stoffbezogenen Süchten, Nikotinsucht ausgenommen, übernehmen Krankenkassen bzw. Rentenversicherungsträger die Behandlungskosten. Suchtberatungsstellen , aber auch Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin können Ihnen hierzu weiterführende Informationen geben.

Atzendorf J, Rauschert C, Seitz NN, Lochbühler K, Kraus L. The use of alcohol, tobacco, illegal drugs and medicines. Dtsch Arztebl Int ; 35—36 — Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. Alkoholabhängigkeit [online]. Egger WJ. Integrative Verhaltenstherapie und psychotherapeutische Medizin. Ein biopsychosoziales Modell. Integrative Modelle in Psychotherapie, Supervision und Beratung.

Wiesbaden: Springer; Krause R. Ausstiegsalternative Substitutionsgestützte Ambulante Therapie: Entwicklung eines verhaltenstherapeutisch orientierten Konzepts bei Opioid- und Mehrfachabhängigkeit. Münster: LIT;