Warum stellen manche mensche keine fragen psychologie

Hier kannst du dir den Beitrag anhören. Vor einigen Monaten schrieb uns ein Leser, dass er sich in vielen unserer Texte wiedererkenne und begeistert sei, dass wir auch aus Leipzig stammen. Er bat um ein Treffen und da er sympathisch wirkte, willigte ich ein. Schon nach wenigen Minuten bereute ich meine Zusage , denn das Gespräch verlief ganz anders, als ich es erwartet hatte. Anstatt sich für mich und unsere Gemeinsamkeiten zu interessieren, sprach er pausenlos von sich selbst.

Er muss mir seine ganze Lebensgeschichte erzählt haben. Nur erinnern kann ich mich an diese nicht, denn je länger er redete, desto weniger interessierte mich, was er sagte. Bald fütterte ich ihn nur noch mit ein paar Fragen, um die Zeit herumzukriegen. Von mir erfuhr er an jenem Nachmittag nichts, da er lediglich eine Frage stellte und ich nicht die Lust aufbrachte, ungefragt etwas von mir zu erzählen.

Fasziniert und irritiert ging ich nach Hause. Bis heute verstehe ich nicht, warum er sich mit mir treffen wollte. Ähnlich erging es mir vor ein paar Wochen bei einem Date. Wir hatten uns über eine Partnersuche kennengelernt. Schon als wir uns schrieben, war es schwer ein Gespräch am Laufen zu halten. Dennoch trafen wir uns zeitnah zum Frühstück.

BR-Navigation

Auch diese Unterhaltung verlief sehr einseitig. Sie beantwortete jede meiner Fragen — teils knapp, teils ausführlich. Nur mich fragte sie in den ersten anderthalb Stunden nichts. Keine einzige Frage. Bei einem Date! Für mich ist es völlig normal, in einem Gespräch weniger zu reden als mein Gesprächspartner. Das liegt in meiner Natur als introvertierter Mensch.

Deshalb fühle ich mich sogar wohler dabei, etwas mehr zuzuhören, als zu reden. Allerdings hat meine Lust zuzuhören ihre Grenzen. Wenn mein Gesprächspartner nur von sich selbst erzählt und nichts über mich wissen möchte, verliere ich mein Interesse an ihm. Ich werde müde, schweife in Gedanken zunehmend ab und kann mir nichts merken. Ich habe dieses Phänomen mit Freunden besprochen, die alle solche Menschen kennen.

Menschen, die einfach keine Fragen stellen — auch, wenn man sich schon lange kennt. Ich kann nur darüber spekulieren, warum sie sich so verhalten. Vielleicht glauben sie interessanter zu wirken, wenn sie aus ihrem Leben erzählen, vielleicht finden sie sich selbst spannend, vielleicht hört ihnen sonst niemand zu, vielleicht trauen sie sich nicht, vielleicht sind sie aber auch einfach unaufmerksam.

Ein gutes Gespräch ist ein Geben und Nehmen. Jeder sollte etwas von sich erzählen, aber auch dem anderen Raum geben und dann interessiert nachfragen. Nur so kann man sich einander annähern. Wenn ich mich für jemanden interessiere, wird derjenige mich automatisch mehr mögen. Das ist menschlich. Auf diese Weise entstehen gute Beziehungen — egal, ob freundschaftlich, romantisch oder beruflich.

Falls du zu jenen Menschen gehörst, die wenige Fragen stellen, und du dich das nächste Mal dabei erwischst, wie du einen sympathischen Menschen mit endlosen Monologen belagerst, halte inne und signalisiere dein Interesse, indem du eine Frage stellst. Lass die Antwort kurz auf dich wirken und frage tiefer nach. Es wird sich auszahlen.

Mehr dazu: Wie du richtig zuhörst und weise wir k st. Foto: Zwei Männer unterhalten sich von Shutterstock. Schon seit Längerem stille Leserin, jetzt muss ich aber etwas schreiben : Ich muss sagen, dass ich fast grinsen musste, weil ich mich in dem Artikel so wiedererkannt habe! Ich denke mir dann oft, dass die Leute sonst nicht so richtig einen zum Quatschen haben, und ein Ohr gerade brauchen.

Wenn man es als Kompliment für seine Gesprächsführung sieht und die einseitigen Monologe als entgegengebrachtes Vertrauen, lässt es sich besser aushalten, finde ich. Ein guter Zuhörer zu sein. Eine gewisse Gesprächskultur will gelernt sein. Ich finde gut, dass Du das thematisierst. Danke dafür. Lg Sandra. Hallo Patrick, ich schreibe normerweise auch nie selbst in Blogs, aber der Artikel trifft mal wieder den Nagel auf den Kopf :- Gerade in letzter Zeit habe ich auch ein paar solcher Situationen erlebt.

Übersicht über die Persönlichkeitsstörungen

Im Gegensatz zu früher fällt es mir heute allerdings leichter, diese Art von Freundschaft, Bekanntschaft oder Date loszulassen bzw. Und mir fällt es leichter, dieses Verhalten zu verzeihen. Nach meiner Erfahrung liegen die Gründe selten an einem selbst bzw. Vielleicht fand dein Date dich einfach nur Total Toll ;- In jedem Fall wieder mal ein super Artikel, um sein eigenes Verhalten zu reflektieren.

LG Silke. Es kann schon sein, dass manche Menschen tatsächlich so sehr mit sich selbst beschäftigt sind — aufgrund von Arbeit, Hobbys, Partnerschaft, Kinder etc. Vielleicht ist das eine mögliche Antwort. Ja, komisch, diese Menschen. Für mich ist naheliegendtse Erklärung immer Desinteresse. Letzte Woche habe ich Zeit mit einem fast fremden Mann verbracht, viel Zeit, mehrere Tage.

Und er hat es nur auf eine einzige Frage geschafft: Ob ich Geschwister habe. Noch dazu fing er jedes Mal, wenn ich gerade tief Luft holte um wenigstens eingeninitiativ etwas zu erzählen, mit dem nächsten Monolog an. Das hat mich irgendwann regelrecht aggressiv gemacht, sodass ich das Thema angesprochen habe. Auf dass ich besser verzichte Das ist ein sehr interessantes Thema, schön, dass du es aufgegriffen hast.

Mir und meinem Partner haben nach einem Abend mit einer langjährigen Freundin und ihrem Mann die Ohren gesurrt vor lauter belangloser Geschichten und dem Geläster über Dritte. Sie aber haben wirklich nicht eine einzige Frage gestellt. Tendenz war natürlich schon länger so, aber diesmal war es einfach furchtbar!

Blöd sich das einzugestehen, aber hilft ja nichts. Solche Treffen rauben so viel Energie, sind Zeitverschwendung und machen irgendwie traurig. Es anzusprechen wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Wenn ich allein dran denke, wie viele Menschen an diesem Abend durch den Dreck gezogen wurden, angefangen bei ihrer Schwester, über die Eltern bis hin zu gemeinsamen Freunden… Komischerweise sind natürlich immer die anderen Schuld an allen Differenzen und Streitigkeiten.

Das zeigt zusätzlich, dass man sich selbst zu wichtig nimmt, viel zu sehr von sich überzeugt ist und das eigene Verhalten nie reflektiert. Wenn man auf solche Erfahrungen verzichtet, hat man den ein oder anderen Abend Zeit um alleine vorm PC zu sitzen und eure interessanten Texte zu lesen. Wenn dir durch ein gemeinsamer Abend so viel Energie entzogen wird, ist das schon mal ein ganz schlechtes Zeichen und Dauerlästern über andere natürlich auch.

Dann lieber unsere Texte lesen, genau ;-. Als ich eben den Artikel las, habe auch ich mich wiedererkannt! Aber nicht so, wie die meisten der anderen Kommentatoren. Bei mir ist es genau umgekehrt: andere haben keine Probleme damit, Interesse an mir zu zeigen und ICH tue mich so verdammt schwer damit, Fragen zu stellen! Ihr alle die ihr euch scheinbar so sehr für euren Gesprächspartner interessiert — wieso verurteilt ihr so schnell und fragt nicht, warum der andere so wenige oder auch gar keine Fragen stellt???

Silke, vielen Dank, dass wenigstens du dir darüber Gedanken machst! Nun, da ich mir über mein scheinbares Desinteresse an anderen Menschen durchaus schon des längeren bewusst bin, ist Patricks Artikel mal wieder Anlass über mein Problem nachzudenken. Wenn ich mir aus der Sicht eines anderen meine ersten Sätze durchlese, könnte man auf den Gedanken kommen, dass dieser jemand nicht genug Aufmerksamkeit, Interesse von anderen bekommen kann.

Vielleicht lenken all die Fragen meiner Gesprächspartner aber auch den Fokus zu sehr auf mich selbst, dass ich im Kopf nicht umschalten kann, um die Dinge an die Oberfläche zu holen, die ich mein Gegenüber gern fragen möchte. Oft fehlt es einfach an einer Gesprächspause, einem Moment der Stille, so dass ich im mich gehen kann. Und mit solchen Gesprächspausen können nicht viele Menschen gut umgehen.

Was ich grundsätzlich in unserer Gesellschaft beobachte ist, dass man oft sehr schnell andere Menschen für dieses oder jenes verurteilt, ohne darüber nachzudenken, welche Erfahrungen der andere gemacht hat, auf dessen Basis dieses Verhalten entstanden ist. Das wäre aus meiner Sicht dann echtes, wahres Interesse!? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gar kein Interesse an mir haben oder mich nicht mögen.

Warum sollten sie sich sonst mit mir treffen wollen? Das Phänomen tritt ja nicht nur beim ersten Treffen auf, sondern teilweise bei Menschen, die ich jahrelang kenne. Allerdings gehe ich mit der Zeit zunehmend auf Abstand, da es mir zu anstrengend ist.

Sprachpsychologie: Die verblüffende Macht der Sprache: Spektrum der Wissenschaft

Es wird schon Gründe geben, warum manch einer nichts fragt, so wie auch du offenbar Gründe hast, wie fehlende Gesprächspausen. Dazu möchte ich dir einen Hinweis geben: Wenn jemand mir ohne Punkt und Komma von sich erzählt, halte ich das Gespräch manchmal mit weiteren Fragen am Laufen, um selbst nichts gefragt zu werden. Weil jemand nach einem langen Monolog aus meiner Erfahrung keine sinnvollen Fragen stellt.

Es gibt ja keine Anhaltspunkte aus dem bisherigen Gesprächsverlauf. Mit solchen Fragen kann ich aber nichts anfangen. Ich stammele dann herum und Sekunden später geht der Monolog des anderen weiter. Egal, wer daran nun Schuld trägt, klar ist, dass so kein gutes Gespräch entsteht und dass es vielleicht kein nächstes geben wird.