Chronische schmerzen psychologie übung

Die Psyche spielt bei chronischem Schmerz eine entscheidende Rolle. Daher sind auch psychologische und psychotherapeutische Interventionen aus der Behandlung von Schmerzpatienten heute nicht mehr wegzudenken. Trotz ihrer Wirksamkeit hat Psychotherapie im Rahmen von Schmerzbehandlungen jedoch eine Schwachstelle: den Patienten. In vielen Studien wird immer wieder von Therapieverweigerungen und hohen Abbruchquoten berichtet.

Zahlreiche Patienten befolgen nicht die Therapieempfehlungen. Mangelnde Compliance Für die mangelnde Compliance von Schmerzpatienten gibt es verschiedene Gründe. Dazu zählen beispielsweise Unkenntnis über oder Zweifel an der Wirkung psychotherapeutischer Interventionen.

Wie beeinflussen chronische Schmerzen die Psyche?

Andere wiederum glauben nicht daran, dass sie selbst etwas gegen ihre Schmerzen tun können. Angeboten werden beispielsweise Entspannungstrainings, kognitive Coping-Techniken, Psychoedukation, Trainings für den Umgang mit Schmerzattacken und Stress und anderes. Dieses breite Angebot verwirrt viele Patienten. Dies geschieht in drei Schritten: 1. Zunächst analysiert der Psychotherapeut, in welchem motivationalen Stadium sich der Patient befindet.

Das erste Stadium ist dadurch gekennzeichnet, dass der Patient sich nicht vorstellen kann, selbst etwas gegen seine Schmerzen unternehmen zu können. Ein Patient im zweiten Stadium erwägt zwar ernsthaft, sich mit dem Selbstmanagement seiner Schmerzen zu beschäftigen, doch er ist noch nicht zum Handeln bereit. Charakteristisch für das dritte Stadium ist die Bereitschaft, aktiv zu werden.

Ein Patient, der sich im vierten Stadium befindet, möchte bereits erzielte Verhaltensänderungen und Behandlungserfolge aufrechterhalten. In jedem Stadium sind unterschiedliche Hilfestellungen erforderlich. Für den Patienten im ersten Stadium sind beispielsweise Einfühlungsvermögen und Verständnis wichtig, der Patient im zweiten Stadium benötigt Ermutigung und Informationen.

Der Patient im dritten Stadium fragt nach Ratschlägen und Unterstützung, während der Patient im vierten Stadium kontinuierlich motiviert werden sollte. Der zweite Schritt besteht in einer Bestandsaufnahme. Aus diesen Informationen leitet der behandelnde Psychotherapeut Interventionen ab, die er im Rahmen einer Beratung, Begleitung oder Psychotherapie einsetzen wird.

Im dritten Schritt werden dem Patienten geeignete kognitiv-behaviorale Selbsthilfe-Interventionen vorgestellt, unter denen er sich diejenigen auswählen soll, von denen er glaubt, dass sie helfen werden. Heapy et al. Viel wichtiger ist es hingegen, dass er sie ausführt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Gefühl, Kontrolle zu haben, mitbestimmen zu können und etwas freiwillig zu tun.

Ein Fallbeispiel Ein jähriger Mann namens Heinz leidet seit Jahren unter chronischen Schmerzen im unteren Rücken. Ein Motorradunfall vor zehn Jahren hat die Anzahl und Schwere der Schmerzattacken zusätzlich erhöht. Die Schmerzen verstärken sich, wenn Heinz lange steht. Er meidet Schmerzmedikamente aus Angst vor Abhängigkeit. Heinz arbeitet freiberuflich als Autor.

In der Regel arbeitet er 80 Stunden pro Woche, oft unter hohem Zeitdruck. Er nimmt sich kaum Zeit für Entspannung und Freizeitaktivitäten.

Psychologische Aspekte der Schmerzprävention: PMC

Zudem ist er sehr selbstkritisch, perfektionistisch und hat hohe Ansprüche an sich selbst. Daher kann er es auch nicht mit seinem Selbstbild vereinbaren, dass er beeinträchtigt ist und Hilfe annehmen muss. Zu seinen Stärken zählen Intelligenz, Ausdrucksfähigkeit und Durchhaltevermögen. Er ist bereit, sich mit den Möglichkeiten des Selbstmanagements von Schmerz auseinanderzusetzen.

In den ersten Sitzungen zeigt es sich, dass Heinz sich über kleine Erfolge nicht freuen kann und sich immer wieder kritisiert. Körperliche Übungen vernachlässigt er mit der Zeit, weil sie nicht schnell genug zum erhofften Erfolg führen. Mithilfe des Therapeuten erkennt er jedoch, dass sein übertriebener Perfektionismus kontraproduktiv für sein Selbstwertgefühl ist.

Daraufhin macht Heinz mehrere, beliebig lange Spaziergänge pro Woche, zu denen er seinen Fotoapparat mitnimmt. Auf diese Art reduziert Heinz den Leistungsdruck und lernt, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden.

Online-Therapie bei chronischem Schmerz: Selfapy

Am Ende der Therapie kann Heinz damit leben, in manchen Bereichen nicht perfekt zu sein. Er kann mittlerweile auch kleine Fortschritte würdigen. Er geht täglich spazieren und praktiziert seine Übungen. Heinz hat subjektiv an Lebensqualität gewonnen. Vielmehr sollten auch gesundheitsbezogene Lebensqualität, psychisches Wohlbefinden, Sozialverhalten, Zufriedenheit mit der Behandlung und allgemeine Verbesserungen berücksichtigt werden.

Ein Patient kann in diesen Bereichen erhebliche Fortschritte erzielen, obwohl er nach wie vor unter Schmerzen leidet. Grundlage des motivationalen Interviews ist die Annahme, dass ein Patient eher sein Verhalten ändern wird, wenn er den Therapeuten als kooperativ und gleichrangig wahrnimmt.

Chronische Schmerzen: Verstehen & Ursache finden

Belehrt oder konfrontiert ein Therapeut hingegen den Patienten, so entwickelt der Patient innerliche Widerstände, und eine Verhaltensänderung wird verhindert. Die Gesprächstechnik besteht darin, durch reflektierendes Zuhören und Fragen den Patienten dahin zu bringen, dass er seine Gründe für eine gesundheitsförderliche Verhaltensänderung findet und daran glaubt, dass eine Verhaltensänderung möglich ist.

In einfühlsamer Weise wird die Sichtweise des Patienten dargestellt, ohne sie jedoch zu hinterfragen oder den Patienten zu belehren. Zudem zeigt der Therapeut Diskrepanzen zwischen bedeutsamen Zielen und dem aktuellen Verhalten des Patienten auf und ermuntert ihn, Lösungen zu entwickeln, um diese Diskrepanzen zu reduzieren. Marion Sonnnemoser LITERATUR 1.

Heapy A, Stroud M, Higgins D, Sellinger J: Tailoring cognitiv-behavioral therapy for chronic pain. Journal of Clinical Psychology ; 62 11 : — Kerns RD, Rosenberg R: Predicting responses to self-management treatments for chronic pain: Application of the Pain Stages of Change model. Pain ; 49— Miller WR, Rollnick S: Motivational interviewing: Preparing people to change.

New York: Guilford Press Psychologische Interventionen bei Chronischem Schmerz: Motivation zur Selbsthilfe. Zum Artikel PDF-Version Inhaltsverzeichnis. EndNote Reference Manager ProCite BibTeX RefWorks.