Männer psychologie frauen
Bei den Männern, wohlgemerkt.
Psychologe über Männlichkeit: „Patriarchat frisch legitimiert“:
Die weiteste von einer Frau geworfene Distanz beträgt gerade einmal drei Viertel davon. Zumindest für die Gruppe der internationalen Spitzenathleten lässt sich also feststellen: Männer werfen weiter als Frauen. So weit, so wenig überraschend. Das Beispiel Werfen ist deshalb interessant, weil es Wissenschaftler häufig auch erwähnen, wenn sie eigentlich über psychische oder kognitive Differenzen zwischen Männern und Frauen sprechen.
Sie listete 46 Metaanalysen auf, in welche die Daten aus Tausenden von Studien eingeflossen waren. Und auch die Wurfkraft schaffte es in diese Übersicht — unter der Rubrik "Bewegungsverhalten". Sämtliche psychischen Differenzen, die bislang untersucht wurden, sind dagegen deutlich kleiner.
Gefühlte Macht entscheidet über Liebesglück
Und wenn es um den Hang zu körperlicher Gewalt geht, beträgt sie nur ungefähr ein Viertel. Bei 80 Prozent der Variablen fand Hyde keinen oder fast keinen Unterschied. Ihre zentrale Erkenntnis lautete daher: Zwischen der Psyche von Männern und Frauen gibt es deutlich mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen. Wirklich eindeutig nachweisbare Differenzen im kognitiven Bereich gibt es etwa, wenn es um räumliches Vorstellungsvermögen geht.
Insbesondere die "mentale Rotation" haben Forscher immer wieder untersucht. Sprich, bei ihren Leistungen in der mentalen Rotation oder in der sprachlichen Kreativität unterscheiden sich zwei Männer oft stärker voneinander als der Durchschnittsmann von der Durchschnittsfrau. Ebenso populär — und ebenso falsch — ist die Idee, dass die Gehirne von Männern und Frauen grundsätzlich verschieden seien.
Selbst einem Computeralgorithmus gelänge das bislang bestenfalls in 80 Prozent der Fälle. Eine weitere populäre Theorie kann Hirnstein ebenfalls entkräften. Bei den Herren soll etwa für die Sprache nur die linke Hemisphäre zuständig sein, während die Damen dafür beide Gehirnhälften nutzen würden. Hirnstein hat diesen Mythos selbst in mehreren Studien auf den Prüfstand gestellt.
Sein Ergebnis: Diesen Geschlechterunterschied gibt es zwar — aber er ist erneut winzig klein. Doch sie ist absolut gesehen so gering, dass es sehr schwerfällt zu glauben, daraus könnten kognitive Unterschiede entstehen", meint der Neurowissenschaftler. Woher allerdings kommen die kleinen Differenzen, die sich finden lassen, sowohl kognitiv als auch hirnanatomisch?
Mann und Frau teilen nur zehn Prozent ihrer Charakterzüge
Viele Menschen denken: Wenn es nachweisbare Unterschiede im Gehirn gibt, dann müssen diese angeboren sein. Doch das ist falsch, wie Hirnstein bekräftigt. Denn alles, was wir erleben und lernen, verändert das Gehirn. Genau für diese Flexibilität ist es gemacht. Und diese mit prozentiger Sicherheit vom Wirken der Erbanlagen und der Geschlechtshormone zu trennen, ist bislang unmöglich — vielleicht wird es nie gelingen.
Dass es unbestreitbar biologische Einflüsse gibt, zeigt beispielsweise ein Vergleich über Kulturen hinweg. In allen Regionen der Erde schneiden Männer bei der mentalen Rotation etwas besser ab als Frauen. Allerdings variiert der männliche Vorteil von Land zu Land stark. Dieses Muster wiederum würde man nicht erwarten, wenn ein fixes genetisches oder hormonelles Programm dahinterstünde.
Geschlechtshormone, die häufig als Verursacher von Unterschieden ins Feld geführt werden, liefern ebenfalls keine eindeutigen Antworten. Das zeigen etwa Studien an transsexuellen Probanden. Nach einer Hormonbehandlung verschwindet dieser Unterschied. Das könne man nun so interpretieren, dass die Hormone allein für den Leistungsunterschied verantwortlich sind. Aber möglicherweise empfänden sich Transgender-Personen nach erfolgter medizinischer Geschlechtsangleichung auch noch stärker als Männer oder Frauen — und verhielten sich daher vielleicht unbewusst konformer zu ihrer Geschlechterrolle.
Auch hier lassen sich biologische und kulturelle Einflüsse nicht trennen. Insgesamt beobachten Psychologen und Genderforscher, dass Eltern in der Kindererziehung immer noch sehr stark zwischen Jungen und Mädchen differenzieren. Wenn es um Spielzeug, Kleidung oder Ähnliches geht, heutzutage sogar viel stärker als noch vor 30 Jahren.
Die Jungs bekommen Bettwäsche mit Raumfahrern, Mädchen das Prinzessinnenmotiv", ärgert sich Marlies Pinnow. Aus Sicht der Hersteller ein gutes Geschäftsmodell: Wer Söhne und Töchter hat, muss alles doppelt kaufen, da kaum ein Junge den rosa Schulranzen und die Glitzerpullis der älteren Schwester auftragen möchte. Viele Genderforscher stellen die Aufteilung der Menschheit in Männer und Frauen sogar grundlegend in Frage.
Denn nicht nur psychologisch lassen sich die beiden Geschlechter kaum voneinander abgrenzen. Das biologische Modell der Zweigeschlechtlichkeit sei weder "natürlich" noch "angeboren", meint dementsprechend die Sozialpsychologin Nicola Döring von der TU Ilmenau. Unter anderem deshalb hält Döring die Standardfrage in nahezu allen psychologischen Fragebogen — "Sind Sie männlich oder weiblich?
Dass das biologische Geschlecht ein fragiles Konstrukt ist, zeigt sich im Sport, wo die Grenze ebenfalls nur vermeintlich eindeutig verläuft. Tatsächlich gerät die Geschlechtsüberprüfung für weibliche Athleten immer wieder in die Kritik. Nach ersten internationalen Erfolgen ergab ein Test im Jahr , dass sie über ein X- und ein Y-Chromosom verfügt. Damit wurde sie für die Teilnahme am Frauensport gesperrt.
Für die Olympischen Spiele im Jahr wurde sie wieder zugelassen, verfehlte aber nach der langen Zwangspause die Qualifikation knapp. Aktuell wird diskutiert, ob die südafrikanische Mittelstreckenläuferin Caster Semenya, die zuletzt bei der Leichtathletik-WM Gold über Meter holte, trotz einer offenbar natürlich erhöhten Testosteronproduktion im Frauenwettbewerb mitlaufen darf oder nicht.
Die Sportverbände stehen damit vor der schwierigen Aufgabe, eine Frage zu klären, die für Psychologen und Hirnforscher bislang nicht eindeutig zu beantworten ist: Wo verläuft die Grenze zwischen Mann und Frau — und welche Bedeutung hat sie? Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien. Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston.
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